November 2025
Sehr geehrte Ratsmitglieder,
wir beglückwünschen Sie zur Wahl in den Rat der Stadt Bielefeld und danken Ihnen für Ihr Engagement. Wir wünschen Ihnen Mut und Kraft, gute und verantwortungsvolle Entscheidungen für unsere Stadt zu treffen.
Wir als klimapolitische Organisationen wenden uns heute an Sie, da es uns ein Herzensanliegen ist, dass Klimaschutz in den laufenden Koalitionsverhandlungen ein zentrales Element ist. Der kurz vor der 30. Weltklimakonferenz in Brasilien veröffentlichte UN-Bericht prognostiziert eine Erderwärmung um 2,8 Grad. Da sich Europa stärker aufheizt als der Weltdurchschnitt, bedeutet diese Prognose eine extreme Gefahr für die Menschen in Deutschland, in Europa und damit auch für die Menschen in Bielefeld.
Es ist ökonomisch sinnvoll, in Klimaschutz zu investieren, da dies kostenintensive Katastrophenbekämpfung bei Hochwasser, Bränden, Wasserknappheit, Dürren und Nahrungsmittelknappheit sowie langanhaltenden Hitzeperioden vermeidet. Wir fordern Sie daher auf, in den laufenden Verhandlungen Nachhaltigkeit und Klimaschutzmaßnahmen eine zentrale Bedeutung zuzuweisen und die Nachhaltigkeitsstrategien und -ziele der Stadt Bielefeld umzusetzen.
Aus unserer Sicht sind folgende lokale Themenbereiche besonders wichtig:
- Mobilität: Ausbau ÖPNV und S-Bahnnetz OWL, Ausbau Radwegenetz, Tempo 30 innerstädtisch, attraktive Innenstadt durch autofreie und verkehrsberuhigte Zonen, sichere und barrierefreie Fußwege, mehr P+R am Stadtrand, Verkehrsvermeidung durch funktionsgemischte Stadtplanung, Liefer- und Serviceparkplätze im öffentlichen Raum, kein Ausbau des Flugplatzes Windelsbleiche
- Ressourcen: Verpackungssteuer in der Gastronomie, nachhaltiger Schutz des Grund- und Oberflächenwassers, Trinkwasserversorgung vorrangig mit Bielefelder Wasser, Abrissmoratorium, Regenwasserversickerung und -nutzung als Regel im Neubau, keine Flächenversiegelung in Wasserschutzgebieten
- Wohnen: Förderung von nachhaltigem, genossenschaftlichem Wohnungsbau, Stadt der kurzen Wege, Neubauprojekte nur bei guter ÖPNV-Infrastruktur mit funktions- und nutzergemischten Quartieren, Quartiersparkhäuser statt Stellplätze auf „eigenem Grundstück“, Umbau statt Neubau, Nachverdichtung (s. Baulücken- und Leerstandskataster des Vereins Pro Grün), Entsiegelung und Begrünung (Hitzeschutz)
- Energieversorgung: Förderung des Photovoltaikausbaus auf Dächern und Balkonen sowie von Gebäudedämmung, Fortführung der kommunalen Wärmeplanung, Förderung von Quartierslösungen (s. Klimasiedlung Sennestadt)
- Gewerbe und Industrie: Ausrichtung der Wirtschaftsförderung auf Nachverdichtung sowie Brachflächen und Leerstände, Bereitstellen eines öffentlichen Gewerbeflächenkatasters, Gewerbegebiete in ÖPNV-Nähe, Integration von Gewerbe in innerstädtische Quartiere, City-Logistik-Konzept
- Natur- und Artenschutz: Sicherung und Erhalt der Artenvielfalt in Bielefeld, Ausweisung von ökologisch wertvollen Flächen als Naturschutzgebiete (z.B. Johannesbachaue), Schutz der Bielefelder Natur und des Baumbestandes
Diese lokalen Maßnahmen sind unerlässlich für die dringend notwendige Klimaneutralität Bielefelds und tragen dazu bei, die Menschen in Bielefeld vor zusätzlichen Katastrophen zu schützen und enorme Kostenbelastungen zu vermeiden. Gleichzeitig beschreiben sie einen Weg zu mehr Lebensqualität für alle und machen Bielefeld zu einem Vorreiter zukunftsorientierter Stadtplanung.
Gerne erläutern wir die vorgeschlagenen Maßnahmen in einem persönlichen Gespräch.
Freundliche Grüße




