Gemeinsame Presseerklärung P4F, BUND und Mut zur Verkehrswende vom 27.12.2023

Blick auf die Kreuzung Grafenheider Straße/Herforder Straße am 26.12.2023 (Drohnenfoto von Heiner Krüger)

Hochwasser: Neuplanung der Kreuzung Grafenheider Straße (L 712n) gefordert

„Die Auenfläche zum Hochwasserschutz wird dringend benötigt!“, mahnen der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), das Bündnis ‚Mut zur Verkehrswende‘ und Parents for Future. Dabei blicken sie auf die geplanten Areale, die nach dem Bau der L712n und des großen Kreuzungsbauwerks Grafenheider Straße an der Herforder Straße zur Wasseraufnahme bei Hochwasserereignissen nicht mehr zur Verfügung stehen werden. Daher fordern die drei Organisationen vom Land NRW ein deutliches Nachsteuern beim Straßenbauvorhaben. „Um auch bei künftig auftretenden Hochwassern gewappnet zu sein, mit denen leider häufiger und dramatischer zu rechnen ist, muss dem Wasser mehr Raum gegeben werden“, so Dr. Godehard Franzen (Mut zur Verkehrswende). „Und das wäre möglich, indem vor allem das überdimensionierte Kreuzungsbauwerk an der Grafenheider Straße deutlich kleiner geplant und damit weniger Fläche versiegelt würde.“
Der Starkregen der letzten Tage hat es anschaulich gezeigt: Die Flächen links und rechts des Johannisbachs unterhalb des Obersees sind enorm wichtig, um die großen Wassermengen aufzufangen und so Überflutungen von Straßen und Siedlungsbereichen zu vermeiden. „Hier sehen wir auf beeindruckende Weise ganz aktuell, wie gut ein ausreichend großes Areal funktioniert, um gewaltige Wassermassen zurückzuhalten“, beschreibt Diplom-Geograf Kai Schulte von den Parents for Future und betont den gleichzeitig hohen ökologischen Wert der Johannisbauaue.
Mit den Straßenplanungen der L712n inklusive des Kreuzungsbauwerks werden große Eingriffe beim Schutzgut Wasser vorgenommen. Mit der Einrichtung diverser Bauwerke im Überschwemmungsgebiet sowie der Überbauung vorhandener Fließgewässer, den damit notwendig werdenden Gewässerverlegungen (Johannisbach-Umflut und Kerksiekbach) und den Querungen der Johannisbach-Umflut, der Aa und des Milser Baches wird in die zahlreichen Fließgewässer des Planungsraumes in erheblichem Maße unmittelbar eingegriffen. Flächenversiegelungen und Dammbauten für die Straße verändern außerdem maßgeblich die natürlichen Abflüsse. Laut Planunterlagen betrifft die Straßenbaumaßnahme Gewässerumbauten auf einer Länge von rund 800 Metern; davon werden ca. 200 Meter der Johannisbach-Umflut (östlich der B61) überbaut.
Zwar berücksichtigen die Straßenplanungen einen Ausgleich überbauter Retentionsflächen durch Abgrabungen auf städtischen Flächen westliche der B61. Die geplante Dimensionierung des Retentionsvolumens insgesamt basiert jedoch auf wassertechnischen Grundlagen aus den Jahren 2010 und 2013. „Darin ist nicht berücksichtigt, dass die Klimakrise zunehmende Extremwetterereignisse erwarten lässt, also auch noch deutlich höhere Regenmengen, als wir sie in diesen Tagen erleben“, führt Dr. Barbara Burghardt (Parents for Future) aus. „Das zu ignorieren, gefährdet Bürgerinnen und Bürger im Osten Bielefelds.“
Daher fordern die drei Organisationen, die das Straßenvorhaben in der geplanten Form ablehnen, von den Verantwortlichen eine gründliche Überplanung. Zentral ist dabei, dass das Ausmaß des Bauwerks mindestens deutlich kleiner wird als bislang vorgesehen. „Eine Kreuzung, die je Richtung zwei Abbiegespuren links plus einer rechts sowie zwei Spuren geradeaus vorsieht, braucht es – auch verkehrlich – nicht. Wir müssen der Natur und dem Wasser mehr Platz lassen. Wer auf den alten Plänen beharrt, zeigt, dass er die veränderten Realitäten nicht zur Kenntnis nehmen will und wider besseren Wissens agiert“, so Adalbert Niemeyer-Lüllwitz vom BUND.

Geplante Kreuzung L712n/Grafenheider Straße

Johannisbach mit überfluteter Auenwiese vor Brake (Drohnenfoto vom 26.12.2023: Heiner Krüger)

Johannisbach unterquert die Herforder Straße (Drohnenfoto vom 26.12.23: Heiner Krüger)

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